Sicherlich keine brandneue Erfindung, diese ominösen Wolken — dennoch für viele Anwendungszwecke, Dienste und Unternehmen immer mehr von Bedeutung. Gezwungenermaßen!
„Schatz, unsere letzten Urlaubsfotos liegen sicher in der Cloud“ — falsch.
Die liegen nur auf dem Rechner von jemandem anders — das sogar sehr sicher.
Ob die da allerdings auch sicher sind, darf stark bezweifelt werden.
Dropbox, MS OneDrive, Google Cloud, Amazon Web Services, Azure — um einmal kurz in den populärsten Diensten zu fischen — kann man hier und da schon mal gehört haben.
Im Grunde werden hier Dateien wie auf dem eigenen Rechner abgelegt — der Einstieg ist meist kostenlos für die ersten paar Gigabyte Platz. Dann hat man sich dran gewöhnt und benötigt mehr Platz — gegen Geld.
Darin ist so weit erst einmal nichts verwerfliches dran — Festplatten gibt’s schließlich auch nicht kostenlos im Laden.
Was niemand so gerne sagt: Die dunkle Seite der Cloud
Im Gegenüber steht allerdings auch die eine oder andere Erwägung, die in Betracht gezogen werden sollte:
- Abhängigkeit vom Anbieter — und Wechsel irgendwann schwer bis gar nicht mehr möglich. Damit auch technischen Problemen beim Anbieter ausgeliefert.
- Die Kostenspirale dreht sich immer weiter nach oben, wenn potente Dateien wie Videos in großen Mengen zu bevorraten sind.
- Der Standort der Cloud ist oftmals nicht nachvollziehbar — oder eben ganz einfach in den USA.
- Durch ein vermeintlich gutes Sicherheitskonzept wähnt sich der Nutzer in gut geschützter Umgebung.
- Wie tief komme ich im Falle eines Problems „hinter“ die Cloud, also auf das so genannte Backend?
Hier kann mich schon der eigentliche Login-Vorgang mit einem Fehler abweisen, den ich ohne so einen Zugang nicht selbst beheben kann.
Besteht Support — wenn ja, in welcher Sprache und wie schnell?
Wie komme ich in so einem Fall an meine Daten?
Sicherheit? Oft nur Illusion
Die Sicherheit einer Cloud, in der es faktisch nur einen Benutzer gibt (den Admin), ist schon durch den uneingeschränkten Zugriff nicht mehr vorhanden.
Wenn dann dazu noch lediglich ein Passwort als Zugang nötig ist — ohne zweiten Faktor — dann ist diese Cloud für Einbrüche nur ein leichtes Hindernis.
Daten in den USA? Eine schlechte Idee
Daten in den USA zu lagern ist — sowohl für Unternehmen als auch für private Nutzer — per se eine schlechte Idee.
In den USA gelten andere Bestimmungen zum Datenschutz als in der EU — und Deutschland ganz besonders.
Die Abhängigkeit wird immer größer
Die Abhängigkeit von einem Anbieter ist bei der reinen Lagerung von Daten mit etwas Aufwand noch wieder lösbar.
Schwieriger wird es, wenn in der jeweiligen Cloud eigene Dienste laufen — dies kann ein Passwort-Manager im einfachsten Fall sein, über Strukturen wie Bild- und Videoverarbeitung bis zu ganzen Servern mit eigenen Betriebssystemen.
Bei letzterem gibt es de facto kaum noch eine Möglichkeit des Wechsels.
Amazon vermarktet mittlerweile eine eigene Linux-Distribution „Amazon Linux“ — und bindet diese seit der neuesten Version zwingend an die eigene Cloud „AWS“.
Auch Adobe, der Hersteller der populärsten Bildbearbeitungs-Software „Photoshop“, bietet schon seit längerem die „Creative Cloud“ als Plattform im Monatsabo an.
Für den Endbenutzer ist hier zwar der Vorteil, dass ihm immer die neueste Version durch das Abo-Modell zur Verfügung steht — gegen kräftiges Bares.
Für den Anbieter sind dies gut planbare Umsätze: Nicht jeder Nutzer würde sich sonst schließlich jede Version einer Software kaufen — sondern auch mit Photoshop von 2015 auch heute noch seine Arbeit erledigen können.
Und wieder lagern die Daten irgendwo in den USA — natürlich.
Fusion 360: Die par excellence Abhängigkeit
Ein populäres Programm aus der 3D-Konstruktion — „Fusion 360“ — geht noch einen Schritt weiter:
Mittlerweile nur noch als Cloud-Version verfügbar — lagern auch sämtliche damit erzeugten Produktionsdaten eines Unternehmens damit in der Cloud — ohne direkte Möglichkeit, diese auf die lokalen Rechner zu übertragen.
Das ist die par excellence der Abhängigkeit.
Clouds sind nicht per se schlecht — aber kritisch zu betrachten
Natürlich sind Clouds nicht per se alle schlecht und gefährlich — aber bei Überlegungen in diese Richtungen sollten sehr viele Aspekte betrachtet werden — nicht nur der günstige Einstieg bei einem Anbieter.
Und auch rückwärts betrachtet: ein kritischer Blick auf die bereits genutzten Dienste fördert manchmal auch erstaunliches zutage.
Was du prüfen solltest, bevor du dich verpflichtest:
- Serverstandort: Deutschland?
- Support vorhanden — oder eine Möglichkeit mittels SSH zuzugreifen?
- Werden automatisch Backups angelegt — und wie oft?
- Kann ich weitere Benutzer anlegen — und eine 2FA-Absicherung einbauen?
- Wie teuer wird der Spaß beim Erreichen von 500 GB pro Monat?
- Wie teuer ab einem TB?
Der Trend: US-Anbieter ziehen alles an sich
Auch hier ist der Trend zu beobachten, dass Unternehmen aus den USA die Dienste rund ums Internet immer weiter an sich zu ziehen versuchen — was sich zu gegebener Zeit negativ auswirken könnte.
Die Datenhoheit geht hier verloren.
Alternativen für persönliche Zwecke
Für persönliche Zwecke gibt es diverse deutsche Anbieter, die Nextcloud als Plattform nutzen — mit vollem Zugriff und flexibel in der Ausgestaltung.
Auch andere „Open Source“-Plattformen sind möglich — und stellen eine gute Alternative zu den großen Anbietern aus den USA dar.
Selbst gehostet? Das Highlight — aber anspruchsvoll
Eine komplett selbst gehostete Cloud ist natürlich das Highlight an Freiheit und Datenhoheit — aber auch anspruchsvoll an Infrastruktur und insbesondere Sicherheit.
Teils technisch — aber auch mit aktuellen DSL-Anschlüssen — gar nicht möglich ohne eigene IP-Adresse.
Fazit: Clouds sind nicht „Wolke 7“
Kurzum: Clouds sind eben nicht „Wolke 7“, wie manch Anbieter verspricht.
Augen auf!







