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Sehende Steine und Soziale Netzwerke von Reptilien

In dem einen oder anderen Beitrag auf dieser Webseite war schon mal von Palantir und Peter Thiel die Rede, meist in kurzen Einwürfen. Es ist an der Zeit, hier genauer hinzusehen – weg von der reinen Technik, hin zur Politik.

Was ist Palantir eigentlich?

Palantir ist ein Unternehmen, nicht die Software selbst. Die zentrale Software heißt „Gotham“. Grundsätzlich ist es kein Hexenwerkzeug, sondern eine gigantische Datenbank mit der Fähigkeit, enorme Datenmengen zu analysieren, zu verknüpfen und daraus Muster zu erkennen. Das entscheidende Merkmal ist die Einheitlichkeit der Plattform: Behörden können ihre Eingabequellen auf eine einzige Software münzen – landesweit, kontinental, international 1.

Möglich wurde Palantir / Gotham nach dem Desaster am 11. September 2001, bei dem knapp 3.000 Menschen ums Leben kamen. Die These war: Hätten die Dienste ihre Fragmentierungen überwunden, wäre es vielleicht vermeidbar gewesen. Über Osama bin Laden war viel bekannt, doch kein Dienst wusste alles; die Informationen lagen lokal verstreut vor 2.

Mit Palantir änderte sich das: Eingepflegte Daten werden vereinheitlicht, auf ein gleiches Format gebracht. Sämtliche US Kern-Dienste sowie viele Partner sind angeschlossen und in die Datenerfassung eingebunden. Was zunächst nach reiner Terrorabwehr klingt, ist im Kontext einer paranoiden Nation wie den USA schnell ein Werkzeug der allgemeinen Überwachung geworden 1.

Ein plastisches Beispiel: Ein unter Beobachtung stehender Drogenhändler gerät bei einer Polizeikontrolle mit einem Begleiter auf. Beide werden identifiziert. Ob der Begleiter überhaupt etwas vom Drogenthema weiß, ist zunächst unwichtig – die Verknüpfung in Palantir ist hergestellt. Dazu kommen soziale Faktoren wie Wohngegend oder Hautfarbe, in den USA ohnehin kritische Datenpunkte. Innerhalb des Systems wird die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen gegen den Begleiter „realistischer“: erst rein beobachtend wie das Abhören von Telefonen, dann repressiv wie das Sperren von Kreditkarten. Noch gar nicht einmal strafrechtlich relevant 1.

Weiter entfernte Personen sind bereits mit dem Begleiter und dem mutmaßlichen Händler verknüpft. Weitere Verbindungen werden geknüpft. Einträge des Arbeitgebers, Daten der Schule vom Sohn des Begleiters – und schon steht eine Spedition X unter Verdacht als Drogenkurier, und der Sohn landet mit Pech als Dealer des örtlichen Schulhofes in der Datenbank 1.

Unrealistischer Unfug? Leider nein.

Im Kern umfasst die Nutzung von Palantirs Gotham die Überwachung von Migranten in den USA sowie die gezielte Jagd auf vermeintliche Terroristen, vornehmlich in Gaza und Afghanistan 1. Wie viele Fehlannahmen und Exekutionen ohne Prozess in diesem Zusammenhang stattfanden, ist nicht belegt. Ferner wird die Ergreifung und Tötung von Osama bin Laden durch die CIA mit Palantir in Verbindung gebracht – als erster großer US-Dienst, der die Software nutzte. Wie bei der CIA üblich: Weder Bestätigung noch Dementi. Palantir wird man auch zu keiner Aussage nötigen können. Versteht mich nicht falsch: Diesen Top-Terroristen zu fassen war absolut richtig. Das steht außer Frage. Die Tragweite dieser Möglichkeiten wird jedoch klarer 2.

Das „22-Punkte-Manifest“ und die Apokalypse

Nach Geheimdiensten, Militär und Behörden wollen nun auch US-Unternehmen davon profitieren.

Zu Peter Thiel, dem Gründer von Palantir und Schöpfer von Gotham, finden sich allerlei Absurditäten im Netz. Man soll ja nicht alles glauben, was man da so wildes findet. Schräg wird es aber, wenn unterschiedliche Interviews und Reden aufeinanderprallen – oder eben das 22-Punkte-Manifest von Palantir auf X vom 19. April 2026. Da lässt sich nicht mehr viel Freiraum finden, wo etwas manipuliert, dramatisiert oder falsch verstanden worden sein könnte 3.

Zum einen ist immer wieder von der Apokalypse und Antichristen die Rede, gut dokumentiert. Zum anderen die Wortherkunft: Ein „Palantir“ ist ein „sehender Stein“ aus J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe, verwendet von Saruman zur Überwachung und zum Kontakt mit dem absoluten Bösen (Sauron). Dass dies ein Zufall sein soll, fällt schwer zu glauben 5. Eine Dokumentation berichtete zudem, Thiel habe Experimente an sich selbst vornehmen lassen. Dies sei belegbar durch den Vergleich zweier Interviews – eines rund 15 Jahre alt, eines aus der Gegenwart – in Bezug auf seine körperliche Veränderung. Das klingt mir persönlich zu absurd, mag es doch auch einfach daran liegen, dass Thiel altert wie wir alle – was er erklärtermaßen ändern möchte: durch die Übertragung des menschlichen Geistes in eine maschinelle Transformation, mit Gottes Hilfe. Blasphemie! Sorry, das geht selbst mir als Atheisten zu weit 3.

Ob sich der Name der Software „Gotham“ auf Batman alias Bruce Wayne und dessen Kampf gegen das Böse bezieht? Naheliegend, auch wenn wieder völlig absurd 1.

Ferner wird gerne auf seine Kindheit verwiesen, die den Weg zum heutigen Ist-Zustand geebnet haben soll. Ich kann eine Kindheit nicht als alleinige Basis für derlei Ansichten werten; daher halte ich diese These für gewagt und würde sie in die Nähe von Mythen verweisen. Nur, falls dir diese These über den Weg läuft: Sie darf kritisch betrachtet werden. Fakt ist die Gegenwart:

Die Ansage, dass Amerika seinen Gegnern durch Übermacht Angst einflößen soll, damit keiner auf die Idee kommt, einen Angriff zu erwägen: Im Kontext der USA mag das als beinahe normaler Patriotismus durchgehen, bekommt aber durch Palantir einen anderen Geschmack 3.

Für die Apokalypse hat sich Peter Thiel entsprechend vorbereitet: Ein Haus in der neuseeländischen Wildnis, fernab von Epizentren möglicher Atomkriege. Dies ist keine Villa, es dient einzig dem Überleben nach einem Atom-/Bio-/Chemischen Holocaust. Vorbereitung ist bekanntlich alles. So konnte Thiel in diesem Zusammenhang auch die neuseeländische Staatsangehörigkeit in seinen Ausweis eintragen lassen – durch ein spezielles Investor-Programm, nicht durch bloße Anwesenheit. Für wenige Tage im Jahr; da haben es Menschen ohne entsprechende Kontakte und Finanzen schon erheblich schwerer, sich dort niederzulassen. Aber sei es drum 3.

Tut mir leid, dass ihr das alles so lesen musstet, aber diese Aussagen sind vor laufenden Kameras belegt. Und glaubt mir: Ich versuche in diesem Blog grundsätzlich so technisch wie möglich zu bleiben, ohne in das Reich der Phantastereien oder Verschwörungstheorien abzurutschen – nur war das in diesem Kontext einfach nicht möglich, will man die ganze Kiste korrekt beleuchten.

Von Thiel zu Zuckerberg: Das Ökosystem der Überwachung

Die teils wirren Behauptungen um Tech-Giganten aus den USA, zu denen Peter Thiel gehört, sind nicht neu. Manches Mal sind diese Personen exzentrisch, wie Elon Musk zum Beispiel. Diese beiden kennen sich seit Jahrzehnten, seitdem sie zusammen PayPal gründeten und damals für 1,5 Mrd. Dollar an eBay verkauften. Das gab beiden die finanzielle Basis für weitere Projekte 5.

Einem anderen guten Bekannten aus der Software-Welt, nämlich Bill Gates, wird seit Windows 3.0 bereits nachgesagt, er persönlich überwache jeden Rechner weltweit, der damals Windows nutzte. Wie das ohne Vernetzung funktioniert haben soll, bleibt wohl das Geheimnis der Urheber dieser Unterstellung.

Mark Zuckerberg hingegen ist Gerüchten zufolge mal Außerirdischer (Android), mal ein Reptil. Das gibt es schon länger und bekam bei Anhörungen vor dem US-Kongress 2018 vermeintlich neue Nahrung: Sehr steif und ohne jede Mimik saß er dort, als würde er eine Maske tragen. Letztlich wirkt die stocksteife Haltung in Kombination mit der unbeholfenen Aussage mehr so, als hätte er den Auftritt noch nicht im Griff. Wer hätte das schon? Es handelt sich daher mehr um einen angedichteten Internet-Witz 5.

Zuckerberg hat diese Gerüchte mehrfach widerlegt, etwa 2016 bei einem Live-Interview, bei dem er schlicht mit „Nein“ auf die Frage antwortete, ob er ein Reptil sei. Auch wenn die Reptilien-Theorie natürlich absurd ist, bleibt die Wahrheit über die Datenmanipulation oft schlimmer als jede Fiktion:

So gab es 2016 zunächst Gerüchte über das Tool „Stormchaser“, wahlweise auch „CrowdTangle“ intern bei Facebook. Es diente zur Überwachung und Verfolgung bzw. Löschung unliebsamer Posts – nicht zur Bekämpfung allgemeiner Fake News, sondern gezielt gegen Kritik an Facebook selbst. Dies soll jedoch 2018 wieder eingestellt worden sein, aus unbekannten Gründen 1.

Aktuell fällt Facebook damit auf, dass Werbeanzeigen einer US- Anwaltskanzlei unterdrückt wurden, die weitere Mandanten für eine Sammelklage gegen Facebook/Meta suchte. Aber warum sollte ich als Betreiber der Infrastruktur diese auch gegen mich selbst einsetzen, indem ich mich später verklagen lasse?

Übrigens sind meine Links zu neuesten Blog-Posts von keinzugriff.de bei Facebook nur noch als schnöder Link darstellbar, die Vorschau steht mir nicht mehr zur Verfügung. Kein Bild, kein Auszug, kein Titel. Mal darauf achten! Es fiel mir sehr schwer, hier an einen gezielten Eingriff durch Meta-Bots zu glauben, weil es absurd ist und dieser Blog so schrecklich klein ist. Auf der anderen Seite: Es fällt mir auch schwer, dies als Zufall abzutun. Für eine Plattform, die Hate-Speech wieder zulässt und sich dabei auf die Meinungsfreiheit beruft, wäre dies schon ein merkwürdiges Verhalten – passt aber ausgezeichnet zum Stormchaser-Fall. Mittlerweile entscheiden Unternehmen darüber, was als Wahrheit gilt und was gesagt wird – und die breite Masse rennt blind hinterher 1.

Der letzte Schliff: Identität und Profil

Apropos Masse: Noch hat Facebook reichlich menschliche Nutzer, auch wenn die Zahlen rückläufig sind und der Anteil an Bots steigt. Mit rund drei Milliarden Nutzerkonten weltweit eben auch der Branchenprimus. Wie viele davon noch aktiv sind, ist nicht bekannt. Klar ist jedoch: Konten werden niemals komplett gelöscht – lediglich deaktiviert. Ein gewaltiger Berg persönlicher Daten und Interaktionen liegt auf den Facebook-Servern 1.

Facebook schreibt seit Jahren Klarnamen vor. Das wird oft nicht eingehalten, aber kaum geahndet. Allerdings kommt in großen Schritten die Einführung von Altersverifikationszwang – natürlich nur aus Jugendschutzgründen. Das Gleiche gilt für die Nutzung von Betriebssystemen. Wie verifiziere ich mein Alter? Am besten durch ein amtliches Dokument. Durch Vorlage hinterlege ich nicht nur mein Alter, sondern praktischerweise gleich die Bestätigung meiner echten Identität. Vorbei die anonyme Nutzung, sobald dies vollumfänglich zur Anwendung gerät. Und das wird es 1. Da wundert es kaum, dass die Türkei ihrerseits den „Jugendschutz“ auf diese Weise plötzlich sehr stark vorantreibt. Die Anonymität wird zur Eindeutigkeit und liefert den absoluten Kontext für Palantirs Algorithmen.

Nun wird Datensammelei also vollkommen enthemmt. Nicht genug, dass diese Plattformen den Nutzer hinter dem Profil ohnehin schon sehr gut kennen und für Behörden transparent gemacht haben – jetzt folgt der letzte Schliff zum endgültigen Profiling. Sicherlich sollen Straftaten im Netz leichter zu verfolgen sein; das steht gar nicht zur Debatte. Mit der Verknüpfung auf einen echten Menschen erfolgt nun aber die Basis, auf der Palantir mit Gotham anknüpfen kann – angereichert mit gewaltigen Datenmengen aus sozialen Medien rund um Meta 1. Wenn damit zukünftig Attentate und Amokläufe, wovon die USA von Haus aus geplagt sind, vorher aufgedeckt und verhindert werden können – selbstverständlich ist der Mehrwert dann sichtbar.

Da es aber dazu führen wird, den Rassismus oder die Verfolgung politischer Gegner auf eine noch nie dagewesene Stufe zu bringen, hat die Welt ein wirklich ernsthaftes Problem.

Die Bundeswehr-Gegenwehr

Während die NATO und US-Behörden fest auf Palantir setzen, hat die Bundeswehr im April 2026 einen bemerkenswerten Schritt vollzogen: Sie lehnt den Einsatz der Software für ihre nationale militärische Cloud ab. Bisher nutzte die Bundeswehr Palantir zwar für Aufklärung, Logistik und Instandhaltung. Doch der Aufbau einer nationalen Cloud, in der höchst sensible militärische Daten verarbeitet werden, scheint eine rote Linie zu sein.

Der offizielle Grund ist, dass die Systeme von ganz normalen Mitarbeitern des US Konzerns Palantir gewartet und betrieben werden. Das sei für deutsche Sicherheirtsbehören „unvorstellbar“, da somit Zivilisten bzw. „einfaches Personal“ Zugriff auf diese Datenbestände hätte.

Stattdessen setzt man auf europäische Alternativen wie Almato, Orcrist und ChapsVision, um die Datenhoheit zu wahren.

Gegenüber der bisherigen Strategie, bestimmte Teile bereits mit Palantir zu betreiben, ist dies eine erstaunliche Abkehr, zumindest für den Bereich der zentralen Datenverarbeitung: Von einem kompletten Rückzug ist zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels (noch) keine Rede. Ob das kommen wird, sei einmal dahingestellt.

Für den Moment scheint es aber, dass in dem belasteten transatlantischen Verhältnis langsam ein wenig das Verständnis dafür entsteht, dass „Datensouveränität“ eben nicht nur ein billiges Schlagwort ist. Sie ist mindestens im militärischen Kontext eine knallharte Grenze, die auch gegen den Druck der USA und Bündnis-Interessen der NATO beständig sein muss.

Die Fragestellung, ob dies ein Schritt in die Richtung der dauerhaften Unabhängigkeit von den USA darstellt, ist zu diesem Zeitpunkt allerdings rein spekulativ. Dennoch wäre die Ablehnung einer solchen Zusammenarbeit mit einem NATO-Partner vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. Es bleibt also lediglich zu hoffen, dass hier langsam der Dornröschen-Schlaf zum Ende kommt.

Wenn der Staat aber nun diese Linie zieht, warum ziehst du sie nicht auch?

Die Maschine ist fertig geschmiedet

Wir befinden uns an einem Punkt, wo es keine Trennung mehr zwischen staatlicher Überwachung und kommerzieller Datensammelei gibt. Palantir liefert das Gehirn, welches stark fragmentierte Daten in ein stimmiges Gesamtbild verwandelt. Meta liefert die Daten – Milliarden von Profilen, die durch die kommende Identitäts-Verifizierung nicht mehr anonym sind, sondern zweifelsfrei einer Person zugeordnet werden kann.

Die Gefahr liegt nicht in dem großen Datenberg und des Sammeltriebs der Unternehmen. Die Gefahr liegt in der einfachen Verfügbarkeit von digitalen Fußabdrücken echter Menschen. Sobald diese letzte Hürde gefallen ist, ist der Übergang von „verdächtigem Verhalten“ zu „konkreten Maßnahmen“ fließend, für Algorithmen und Behörden trivial.

Das 22-Punkte Manifest ist die Blaupause, wie Technologie zukünftig dazu eingesetzt wird, um gesellschaftlichen Diskurs nicht mehr zu moderieren, sondern gezielt zu unterdrücken.

Die Politik wird hier nicht oder wieder einmal viel zu spät regulatorisch eingreifen. In den USA werden die Gesetze vom gleichen Akteurs-Kreis geschrieben, welche auch diese Technologie entwickelt hat. Wer seine Daten also auch weiterhin freizügig offen legt, wer seine digitalen Schnittstellen nicht zurück holt, der wird alsbald der vollständigen Profilierung unterliegen.

Die technische Unabhängigkeit ist immer noch sehr weit zurück gestellt unter den Komfort der bequemen sozialen Interaktion. Wir werden tatsächlich zu vorhersehbaren Datenpunkten in einem System, was darauf trainiert ist, uns zu managen.

Was aber willst du? Dich einfach der kompletten Kontrolle unterwerfen oder den Mechanismus für dich selbst still legen ? Dieser Apparat wird auf deine Entscheidung nicht warten.

Thinkin ‚bout

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