Start / Google / Webmaster von Googles Gnaden – Teil 2: Die SEO-Falle und der Ausweg

Webmaster von Googles Gnaden – Teil 2: Die SEO-Falle und der Ausweg

In Teil 1 dieses Doppel-Beitrages habe ich aufgezeigt, was eigentlich im Hintergrund passiert – während alle dennoch von der DSGVO und langen Datenschutzerklärungen sprechen und eine scheinbare Datensparsamkeit gelebt wird.

Diese Seite zum Beispiel nutzt keine Google Analytics 4 oder deren Vorläufer. Kein Google Ads. Dennoch läuft ein Zähler für die Seitenbesuche – ich möchte wissen, welche Themen besonders interessant zu sein scheinen (obwohl ja alle hoch interessant sind natürlich). Wer das wann angeklickt und wie lange ein Nutzer daran gelesen hat, ist für mich hier nicht weiter interessant.

Dennoch befinde ich mich mit keinzugriff.de auch bereits in einer Abhängigkeit von Google: Ohne Google wird kein Mensch diese Seite zufällig finden. Ich bin auf das Posten bei Facebook und Mastodon angewiesen – und auf das Hörensagen.

Doch warum ist das so? Recht einfach: Google beherrscht den deutschen Suchmaschinenmarkt mit einem Anteil von rund 90 % eindeutig. Da ist es dann unumgänglich, dass diese Webseite mindestens bei Google bekannt ist. Die Anmeldung in der Search Console ist de facto nötig. Machste das nicht, trifft eventuell irgendwann einmal der Crawler von Google zufällig auf diese Seite und indexiert diese dann irgendwie. Die Ergebnisse dieser Indexierung sind für mich als Betreiber nicht nachvollziehbar, und über Probleme beim Aufbau tappe ich ohne die Search Console im Dunkeln.

Ohne jegliche Indexierung ist die Seite bei Google nicht in den Suchergebnissen bekannt. Bums-aus – Micky-Maus.

Mit der Search Console im Hintergrund kann ich dann aber gezielte Anpassungen vornehmen. Das ist die Suchmaschinenoptimierung (kurz: SEO – Search Engine Optimization).

SEO als eigene Disziplin

Für keinzugriff.de nehme ich keine aktive SEO vor. Ich lege grundlegende Dinge bei der Erstellung eines Beitrages fest, mit denen eine Suchmaschine etwas anfangen kann. Aber die Optimierung bis in die hinterste Ritze ist eher etwas für Seiten, die mit dem Inhalt Geld verdienen wollen. Seien es nun Blogs, die vor lauter Werbung nur so triefen, Pornoseiten, Seiten von Verlagen – oder eben E-Commerce.

All diese investieren viel Arbeit und gewaltige Summen in die SEO-Strategie, um bei einer Suchanfrage gut gelistet zu werden in den SERP (Search Engine Result Pages). Das sind die Ergebnisseiten der Suchanfrage – also das, wo man nur Seite 1 ansieht und dann die Abfrage neu formuliert.

Ganze Agenturen und Berufsbilder hat die Disziplin der SEO hervorgebracht. Viele Autoren haben umfangreiche Kompendien dazu verfasst. Diese erfreuen sich regelmäßiger Neuerscheinungen, weil Google wieder eine Änderung am Algorithmus vorgenommen hat – oder an der Gewichtung gewisser Punkte. Dann sind die bis dahin auf maximale Auffindbarkeit optimierten Texte über Nacht wertlos geworden. Die Bücher müssen neu geschrieben werden, die Experten müssen neu verstehen, wie es jetzt funktioniert – und kommerziellen Seiten brechen über Nacht die Besucher weg. Manchmal sickert etwas durch, was beim nächsten Google-Update kommen dürfte. Manchmal ist der Mutterkonzern Alphabet hier aber auch für eine Überraschung gut, und sämtlichen Betreibern kommerzieller Seiten stockt am nächsten Morgen der Atem.

Google möchte mit den Updates in erster Linie immer dichter an den Nutzer herantreten, die User Experience immer weiter steigern. Zum einen weiß Google natürlich, WAS du in der Suche eingibst – ob du nun Chrome nutzt oder einen anderen Browser zum Aufruf von google.com. Vollkommen egal. Damit weiß Google, was du als Nutzer suchst und wie du suchst. Also, was auf den Webseiten zu stehen hat, damit der Benutzer es so einfach wie möglich hat – und Google den Benutzer immer bei sich behält, weil die Ergebnisse hier einfach hoch-optimiert sind. Das sichert die Monopolstellung und sticht alle anderen Konkurrenten aus. Andere Suchmaschinen finden einen Shop überhaupt nicht, weil diese nach anderen Metriken arbeiten. So zum Beispiel Bing oder auch Yahoo – welche beide aber kaum noch einen messbaren Marktanteil haben.

Google gibt damit aber auch vor, wie Webseiten beschaffen sein müssen, um bei den Google SERPs optimal ausgespielt zu werden. Und so schließt sich der Teufelskreis allmählich. Mangels Konkurrenz gibt es kein „Konsortium“, das zum Beispiel gemeinsame Standards festlegt. Ein Konzern aus den USA gibt de facto im Alleingang vor, wie Webseiten auszusehen haben, um gefunden zu werden.

Das Aussehen von Webseiten

Mittlerweile sind diese Algorithmen sehr komplex und nicht mehr so einfach zu manipulieren. Im Text eines Blogs, eines Produktes oder wo auch immer sind sogenannte Keywords entscheidend. Wenn ein Elektro-Händler eine Digitalkamera anbietet, dann wird er dies in der Bezeichnung des Artikels, der SEO-Bezeichnung, der Meta-Beschreibung und der Produktbeschreibung auch so drin stehen (hoffentlich) – dazu noch der genaue Typ. Früher gab es das Phänomen des Keyword Stuffings, wo in einem solchen Text 20-mal das Wort „Digitalkamera“ stand – und Google daher eine besonders hohe Relevanz in diesem Beitrag für den Suchbegriff erkannte.

Viele Seiten waren daher kaum vernünftig lesbar. Mit einem Update war dies vor einigen Jahren aber nicht mehr interessant für Google, und das Ranking von Webseiten verschob sich über Nacht derartig gravierend, dass einige Shops dichtmachen konnten.

Das ist natürlich ein Extrembeispiel, wie diese Betreiber ihre Texte mit für den Nutzer sinnlosen Inhalten zu geknackt haben – also nur für die Maschine Google optimiert wurden, ohne einen Wert für menschliche Besucher bereitzuhalten.

Blöderweise sieht es heute aber immer noch so aus, dass die Texte eben von SEO-Experten getrimmt werden – und damit immer noch primär für einen Konzern, nicht für den Nutzer selbst. Die Lesbarkeit und der Nutzen für die Benutzer ist selbstverständlich deutlich höher mittlerweile, aber eine Webseite muss in erster Linie Google gefallen.

Die Shops optimieren ihre Seiten also mit einem höllischen Aufwand und immer aggressiver, um sich in der immer lauter werdenden Welt durchzusetzen und irgendwie noch gefunden zu werden – für die Maschine. In der Konsequenz ist der Nutzer nun das Produkt geworden, welches Google dann den Shopbetreibern verkauft. Und je optimierter der Shop, desto mehr Daten fließen wieder gen Google.

Daneben werden andere Dinge in die Bewertung miteinbezogen – wie auch der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund. Natürlich sind Schwarz und Weiß aufeinander der stärkste Kontrast überhaupt – egal, wie herum. Nur nimmt dies auch viel individuellen Gestaltungsspielraum raus. Die Menge der „sehr langen“ Wörter im Verhältnis zum Gesamtbeitrag fällt negativ ab einer gewissen Menge auf. Die Lesbarkeit wird nach weiteren Gesichtspunkten wie dem Flesch-Reading-Ease-Test bewertet usw. Aber: Google gibt Betreibern vor, wie Webseiten auszusehen haben – und die Betreiber folgen, weil diese sonst nicht auffindbar sind.

Das ist das Dilemma. „Wie wegkommen von Google“ treibt einen ja nicht erst seit Trump um – und es ist auch keine faule Ausrede. Nur rein schon durch die SEO und die ausgespielten SERPs hat ein Shop oder Verlag gar keine andere Chance gegenwärtig.

Die Google-Ökosystem-Falle

Nun gibt es neben der Search Console das Google Merchant Center zur Produktverwaltung und -Analyse der Produktperformance und eben auch Google Analytics, um das Nutzerverhalten auszuwerten bis in die kleinste Pore.

Ich hatte mich anfangs, bevor ich selbst im E-Commerce tätig wurde, gefragt, warum so ziemlich jeder Shop in seinem Cookie-Banner auf die Nutzung von Google Analytics verweist. Also konkret: Was daran so toll sein soll. Für meine ersten Web-Projekte hatte ich das Teil nicht im Betrieb, auch wenn ich mich damit anfangs beschäftigt hatte. Der Funktionsumfang war mir ganz einfach zu gewaltig, ich war von GA regelrecht erschlagen.

Im E-Commerce angekommen, wurde der Shop von mir denn immer weiter in Richtung Google voran geschoben, um mehr Käufer anzulocken – auch die Einbindung von GA gehörte dazu. Seit Längerem aber wieder ausgebaut, da mir die Nutzung dessen einfach zu brachial gegen den Datenschutz wirkte.

Es gab eine kurze Phase, in der der Einsatz von GA4 von deutschen Behörden gar für rechtswidrig erklärt wurde, aufgrund dessen, dass die USA in Sachen Datenschutz als unsicheres Drittland gelten (!). Mittlerweile hat sich dies mit der Einführung des EU-US Data Privacy Frameworks zwar reguliert; es wird zumindest als Rechtsgrundlage verwendet und zur Argumentation herangezogen. Der Zugriff durch US-Geheimdienste ist dort drin aber weiterhin nicht vollständig ausgeschlossen. Rechtliche Unklarheit besteht weiterhin, und einige Gerichte sehen dieses Framework mittlerweile als unzureichend an.

Der Weg abseits dieses Kreislaufs

Zumindest bei der Erhebung der Nutzerdaten, des Verhaltens, können wir Betreiber aber ganz konkret etwas tun: Das Umstellen auf wirklich datenschutzfreundliche und -konforme Anbieter und Werkzeuge. Das Schlagwort ist hier „Privacy by Design„.

Tools, die keine Cookies setzen. Die keine IP-Adressen speichern. Diese beiden, beinahe wie Kleinigkeiten wirkenden Eigenschaften sind es schon: Diese Tools zeigen dir als Betreiber immer noch, dass jemand zu deinem Shop gekommen ist. Aber eben nicht mehr wer das ist. Das tut der Betrachtung, welche Käufe getätigt wurden, jetzt kaum ein Abbruch.

Ich habe zu Beginn dieses Monats darüber hinaus meine Datenschutzerklärung deutlich verschlanken können – indem ich einen ganzen Satz von Diensten und Werkzeugen aus dem Shop ausgebaut habe. GA4 war ohnehin schon entfernt, aber auch das in einer Cloud liegende Ticket-System ist nun ausgebaut worden. Der Support-Chatbot ebenfalls. Kundenanfragen werden nun wieder ganz normal per E-Mail abgearbeitet – ohne Cloud im Hintergrund.

Die Problematik bei den mehr oder weniger schlüsselfertigen Shopsystemen wie Shopify oder auch einigen CMS (Content Management Systems) mit entsprechenden Shop-Erweiterungen ist oftmals, dass diese bereits mit dem Google-Ökosystem vorbestückt sind. Zum anderen sind all diese Systeme in US-Hand. Jedenfalls sitzen die großen Anbieter eben genau dort, wen wundert es:

  • Shopify
  • WordPress & WooCommerce
  • Drupal mit DrupalCommerce
  • Joomla mit VirtueMart
  • […]

US-Herkunft.

Und dabei gibt es hier tatsächlich deutsche Lösungen, man höre und staune:

  • Shopware: Kann auf Servern in DE installiert werden und hat keinen US-Cloud-Zwang. Im Standard aber oft auf US-Infrastruktur – muss dann eben drauf geachtet werden, wo es liegt.
  • TYPO3: Als Open-Source-CMS mit einem Shop-Plugin (z. B. SOLR oder Commerce-Erweiterungen).

Die Shopsysteme oder auch CMS mit Plugins werden freilich zu hosten sein bei einem Anbieter deines Vertrauens. Aber auch hier kannst du auf den Server-Standort Deutschland setzen. Da gibt es diverse Anbieter – bei denen du auch nicht finanziell ausgezogen wirst.

Sicherlich könnte man auch sein Shopsystem selbst hosten, aber hier kommen einige Überlegungen vorab ins Spiel – wie zum Beispiel die wirksame Abwehr von Angriffen, die Backup-Strategie, der Support im Problemfall usw. Also, da sollte man schon sehr fundierte Kenntnisse über IT-Infrastruktur mitbringen, um einen Shop komplett bei sich selbst zu hosten.

Dennoch geht Datenschutz! Und der Weg aus dem Google-Ökosystem geht aus, zumindest was das Tracking von Benutzerdaten angeht. Gegen den Such-Mechanismus selbst ist zur Stunde und auf längere Sicht noch kein Kraut gewachsen, allerdings.

Fazit: Der stille Ausweg

Ob Datenschutz zukünftig ein offen zur Schau getragenes Verkaufsargument wird, kann hier nicht beantwortet werden. In Deutschland lebt leider eine gewisse Abmahn-Kultur, für welche man damit ein gefundenes Fressen servieren würde. Mit Selbstverständlichkeiten darf nicht geworben werden. Und dass ich als Betreiber in Sachen Datenschutz irgendetwas besser mache als andere, wird mich jetzt auch nicht zu einer Werbebotschaft wie „verbesserter Datenschutz“ auf der Shop-Homepage veranlassen 😉 – und so lange man, zumindest in den Suchergebnissen, auf Google angewiesen ist, kann man sich auch kaum als „Google-frei“ hinstellen.

Somit bleibt verbesserter Datenschutz zwar theoretisch ein USP, aber man kann den nur schwerlich aktiv bewerben. Hier kann nur der Nutzer selbst in den Cookie-Banner reinsehen, was bei „optionalen Diensten“ drin steht, und diese dann abwählen.

Ein Blick in die Datenschutzerklärung hilft ebenfalls – auch wenn das kein Mensch liest. Aber die meisten Browser können einen Text suchen mit STRG + F – und dann einfach mal nach Analytics suchen auf der Seite. Wer fündig wird, weiß mehr und entscheidet dann selbst, ob die Datenerhebung so gewünscht ist.

Aber jeder Betreiber kann selbstverständlich den Datenschutz und die Privatsphäre deutlich höher aufhängen, als es mit GA4 etc. der Fall ist. Und diesen Umstand kommunizieren und weitertragen – was der Grund für die Existenz von keinzugriff.de ist, übrigens.

Thinkin ‚bout


Referenzen & Quellen

  1. Marktanteil Suchmaschinen: Statista / SimilarWeb (Stand 2024/2025) – Google liegt in Deutschland bei ca. 90-95 %.
  2. DSGVO & GA4: Urteile der Datenschutzbehörden (Österreich, Frankreich) und das Urteil des EuGH (Schrems II).
  3. EU-US Data Privacy Framework: Kommissionsbeschluss vom Juli 2023 zur Angemessenheit der Datenübermittlung in die USA.
  4. Flesch-Reading-Ease: Standard-Lesbarkeitsformel, die z. B. von Google im Kontext von „User Experience“ und „Core Web Vitals“ indirekt bewertet wird (als Faktor für Lesbarkeit).
  5. Shopware & Datenschutz: Offizielle Doku von Shopware zur Server-Standort-Wahl und DSGVO-Konformität (Self-Hosting-Optionen).
  6. Abmahnkultur: Statistiken der Wettbewerbszentrale und Anwaltskanzleien zu Abmahnungen wegen DSGVO-Verstößen (Cookie-Banner, Tracking).
Markiert:

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert