Hast du dich schon mal gefragt, warum dein Browser fast immer genau das findet, was du gerade benötigst? Warum andere Browser das weniger gut hinbekommen? Und du deswegen eventuell andere Browser meidest, weil du zu lange suchen musst?
Ist dein Browser meistens Chrome? Und / oder ist die Standard-Suchmaschine Google? Du meinst, diese ist so technisch ausgereift, dass sie einfach besser versteht, was du möchtest?
Eindeutig Jain!
Sie kann dir diese Überlegenheit natürlich durch einen fast perfekten technischen Unterbau präsentieren – die aber lediglich dadurch gegeben ist, dass Google DICH persönlich kennt. Und viele andere eben auch ganz persönlich. Abgelegt in deinem persönlichen Profil in den unendlichen Datenbanken von Google.
Daher weiß die Maschine, wer du bist, und hat über die Jahre mehr über dich und deine Vorlieben erfahren als du glaubst.
Das wird benötigt, um dir ganz gezielt Werbung einblenden zu können, die exakt zu dir passt. Die Werbung nach dem Gießkannen-Prinzip im TV ist ineffizient und teuer. Ich blende eine Werbung über Katzenfutter, gefolgt von Tampons und Sekt im TV ein – damit erreiche ich aber nur Frauen mit Menstruation, Katzenbesitzer oder Sekt-Liebhaber. Dem Rest zeige ich es auch an, aber was soll ein Mann mit Tampons?
Google weiß nun aber durch deine Webseitenbesuche und Käufe, dass du eine Frau mit Katze bist und vermutlich gerne Sekt trinkst. So lässt sich Werbung gezielt ausspielen für deutlich weniger Einsatz der Werbetreibenden.
Dann kommen noch der Besuch von Seiten politischer Gruppen oder Parteien hinzu. Eventuell linke oder rechte Blogs, die eine oder andere Pornoseite, Fremdgehportale oder Kontaktseiten, Foren, wo sich über brisante Themen ausgetauscht wird. So reichert sich das Profil nach und nach an. Bald kann man dich als psychisch auffällig oder politisch heikel einstufen, weil die Seitenbesuche auf allerlei Vorlieben schließen lassen, die nicht der gesellschaftlichen Mitte entsprechen.
Klingt nach Orson Welles? Weit gefehlt. Das ist längst gängige Praxis und wird von weiterführenden Werkzeugen wie von Palantir extrem gut ausgewertet. Diese zeigen dir eben nicht nur die passende Werbung an, sondern nehmen politische Stimmungen wahr, vermerken sexuelle Präferenzen und erstellen dein psychologisches Profil nebenbei.
Das Ziel bleibt das Gleiche: Dich möglichst gut zu kennen, um dir zum einen möglichst viel zu verkaufen und dich zum anderen zu steuern.
Über Palantir, die Datenverarbeitung in Massen und die darauf folgenden geopolitischen Konsequenzen habe ich bereits einen eigenen Artikel veröffentlicht. Diesen findest du hier:
Vom Keks zum Fingerabdruck
Die kleinen süßen Kekse (= Cookies) im Browser waren zum einen nur ein Vorspiel, zum anderen viel zu leicht zu finden und zu entfernen. Mit Fingerprinting gelingt dies nicht mehr. Es ist das Gesellenstück Googles. Vom Meisterbrief noch nicht zu sprechen, aber dieser wird folgen.
Auf immer stärkere Regulierung von Cookies war Fingerprinting die Antwort aus dem Hause Google, bei vermeintlich besserem Datenschutz. Aber auch über dieses Verfahren bist du offen wie ein Buch für Google. Zwar erst einmal nur für ein einzelnes Gerät – aber es reicht die Anmeldung in einen Online-Account auf zwei verschiedenen Geräten aus, um beide dem gleichen Profil zuzuordnen.
Was steht also in so einem Fingerprint drin?
- Betriebssystem und Browsertyp
- Hardware (genauer Prozessor und Speichertyp)
- Installierte Programme und Schriftarten
- Hintergrundfarbe des Browsers, exakte Browser-Version
- Geolokalisierung (Land, Zeitzone)
So wird ein Schuh draus für das Profil, ohne dass es einer IP-Adresse bedarf. Selbige sind eh nur für statische IP-Adressen so richtig interessant; die Provider dynamischer Adressen wechseln diese meist alle 24 Stunden.
Die Browser-Landschaft: Wer läuft auf welchem Unterbau?
Um zu verstehen, wo die Gefahr lauert, muss man die technischen Grundlagen kennen. Es geht hier nicht nur um Google. Auch andere große Konzerne nutzen deine Daten, um ihre Ökosysteme zu festigen.
| Browser | Engine | Unabhängigkeit von Google | Datenschutz-Bewertung |
|---|---|---|---|
| Chrome | Chromium | Nein (Google) | Kritisch: Volle Datensammlung für Google-Profile . |
| Edge | Chromium | Nein (Microsoft) | Kritisch: Microsoft-Tracking, Telemetrie, Windows-Integration . |
| Brave | Chromium | Ja (Entfernt Google-Teile) | Sehr Gut: Aggressiver Blocker, keine Telemetrie, Fingerprinting-Schutz . |
| Opera | Chromium | Nein (China-Konzern) | Kritisch: Historisch belastet, Datennutzung für Werbung . |
| Vivaldi | Chromium | Ja (Hohe Anpassbarkeit) | Gut: Fokus auf Privatsphäre, aber Chromium-Basis bleibt . |
| Samsung Internet | Chromium | Nein | Kritisch: Samsung-Ökosystem, Datenweitergabe . |
| Firefox | Gecko | Ja (Mozilla) | Gut: Unabhängige Engine, starke Privacy-Einstellungen, aber Mozilla-Abhängigkeit . |
| Tor Browser | Gecko (Fork) | Ja (Mozilla-Fork) | Exzellent: Maximale Anonymität durch Netzwerk-Relais . |
| Safari | WebKit | Ja (Apple) | Bedenklich: „Walled Garden“, Apple-Tracking (IDFA), keine echte Unabhängigkeit . |
Chromium ist eine Entwicklerplattform (Open Source) von Google. Ein technischer Unterbau für viele aktuelle Browser. Er enthält aber bereits die Möglichkeiten für cookieless Tracking mittels Fingerprinting und Profiling durch Google, sofern nicht explizit entfernt.
Für maximale Sicherheit gegen Google-Profiling und Fingerprinting ist Brave die klare Wahl. Vivaldi bietet eine gute Balance mit hoher Anpassbarkeit, während Opera primär Komfortfunktionen im Fokus hat – und Googles Neugierde nicht weiter abwehrt.
Wichtig: Auch Safari ist keine echte Lösung für Datenschutz-Begeisterte. Zwar nutzt Apple die eigene WebKit-Engine und lehnt Chromium ab, doch das Ziel von Apple ist nicht deine Privatsphäre, sondern die Bindung an das Apple-Ökosystem. Apple sammelt Daten für sein eigenes Werbungsgeschäft (Apple Advertising) und nutzt Tracking-Prävention oft nur selektiv, um seine eigenen Dienste zu bevorzugen .
Letztlich ist im nicht-Apple-Universum nur Firefox und dessen Forks (wie Tor) die einzige Möglichkeit, die unabhängig von Chromium arbeiten.
Brave: Der Sicherheitsstandard
Brave gilt als der sicherste der drei großen Chromium-Browser.
- Tracking: Blockiert Werbung und Tracker standardmäßig aggressiv (EasyList, EasyPrivacy, Brave-eigene Listen). Nutzt „Ephemeral Storage“ für Cross-Site-Tracking-Schutz.
- Fingerprinting: Bietet branchenführenden Schutz, indem es Browsermerkmale wie Canvas, WebGL und Fonts leicht randomisiert. So wird der digitale Fingerabdruck für Tracker unbrauchbar .
- Profiling: Entfernt Google-Dienste aus Chromium, nutzt eigene Suchmaschine (Brave Search) und leitet Safe-Browsing-Anfragen über eigene Server weiter. Telemetrie ist Opt-in.
- Transparenz: Vollständig quelloffen und überprüfbar.
TOR: Die Anonymisierungsmaschine
TOR als Anonymisierungsmaschine? Dazu muss man einmal verstehen, wie das TOR-Netzwerk überhaupt funktioniert.
TOR ist dafür da, Privatsphäre und Anonymität herzustellen bzw. zu gewährleisten, indem es den verschlüsselten Internetverkehr durch eine Reihe von Relais weiterleitet. Da diese wie Schichten für die Verschleierung verstanden werden können, kommt letztendlich der Name daher: The Onion Router (=TOR), also der Zwiebel-Router. Er leitet den Verkehr wie durch viele Zwiebelschalen (= Nodes) weiter.
Dabei werden drei Typen unterschieden:
- Entry-Nodes (Eintrittspunkt)
- Relay-Nodes (Weiterleitung)
- Exit-Nodes (Austrittspunkt ins normale Internet)
Das Prinzip ist einfach: rein – vorwärts – raus. Raus an dem Punkt, wo ich mich dann wieder im regulären Internet aufhalte, allerdings so stark verschleiert, dass ein Profiling erst einmal nicht in Frage kommt.
Wichtig: Anonymes Surfen setzt erst einmal voraus, dass sich der Nutzer auch anonym verhält. Das Aufsuchen von:
- Facebook inkl. Anmeldung
- Abrufen von E-Mails
- Bestellung von Blumensamen
- Login in deinen Pornhub-Account
Sind eben nicht anonym. Damit kann dich ein Exit-Node auch bannen, du unterläufst das Ziel des Ganzen. Ferner ist das Aufsuchen von reinen HTTP-Seiten mit TOR eigentlich schon ein Widerspruch in sich, da der Verkehr dann unverschlüsselt läuft und im Klartext abgefangen werden kann.
Durch diese Weiterleitung ist das TOR-Netzwerk natürlich nicht so schnell wie, als würdest du mit z. B. Chrome direkt im Netz unterwegs sein. Das sollte man vor der Nutzung wissen und auch verinnerlicht haben.
TOR war und ist immer wieder in den Schlagzeilen, weil dieser Browser der Weg in das so genannte Darknet ist. In den Schlagzeilen deshalb, weil wieder irgendwas aufgeflogen ist – also bei entsprechender strafrechtlicher Verfolgung auch die Anonymisierung nicht vollständig gewährleistet war. So lange man jedoch mit TOR keine Straftaten begeht (auf die ich hier nicht weiter eingehen werde), ist dies ein recht zuverlässiger Anonymisierungs-Dienst.
SearXNG: Der anonyme Metacrawler
Eine Alternative zu all dem stellt SearXNG dar, den sowohl Online-Nutzer verwenden könnten, als auch On-Premise, also selbst gehostet. Allerdings ist SearNGX kein Browser selbst, lediglich ein Dienst:
Ein Metacrawler ist eine Suchmaschine, die andere Suchmaschinen durchsucht. Diese Idee und Technik ist nicht neu, fast so alt wie die ersten Suchmaschinen selbst.
SearXNG hat keinen eigenen Suchindex. Das Ganze durchsucht anonym zurzeit rund 250(!) andere Suchmaschinen wie Google, Bing oder auch Wikipedia. Die Ergebnisse werden dann aggregiert auf einer Seite zusammengefasst – und das Ganze ohne Werbung. SearXNG leitet deine Suchanfragen zwar an die großen Player weiter, verschleiert dabei aber deine IP-Adresse.
Ein unglaublich erleichternder Vorteil für mich persönlich ist, dass durch fehlende Personalisierung der Inhalt der Suchergebnisse neutraler wird – eben nicht in deiner persönlichen Filterblase stattfindet. Keine Nutzerdaten, die angefragten Suchmaschinen sehen auch nichts davon.
Der Onlinedienst selbst ist kein zentraler Host oder so etwas, sondern in mehreren Dutzend Instanzen verfügbar. Eine Liste derer findest du unter https://searx.space/. Durch die gegebene Anonymität während der Nutzung kann dieser Dienst auch über das TOR-Netzwerk angesteuert werden. Die Nutzung online setzt natürlich ein gewisses Maß an Vertrauen in die jeweilige Instanz voraus.
Alternativ: Selbst-hosting mit Docker
Hier kommt das Selbst-hosting mit Docker ins Spiel: Es kann komplett selbst gehostet werden und ist somit unter voller Kontrolle – deiner Kontrolle.
Ich habe mir diesen Spaß selbstverständlich gegönnt und auf einer meiner Docker-Instanzen installiert. Und ich muss sagen, es gab mit anderen Docker-Diensten schon erheblich mehr Probleme bei der Installation.
Wie üblich legst du in deinem Docker-Stammverzeichnis ein Unterverzeichnis für den Dienst an und wechselst in dieses Verzeichnis dann. Anschließend holst du dir die .env.example und docker-compose.yml vom GitHub-Server mit diesem Befehl:
curl -fsSL \
-O https://raw.githubusercontent.com/searxng/searxng/master/container/docker-compose.yml \
-O https://raw.githubusercontent.com/searxng/searxng/master/container/.env.example
Dann kopierst du die .env.example einmal zur .env – bitte wirklich kopieren, und nicht umbenennen! Das gleiche kannst du mit der docker-compose.yml machen, indem du dieser eine .original hinten dran hängst – auch hier schadet ab und zu die Sicherungskopie nicht, bevor das wilde Konfigurieren losgeht.
In der docker-compose.yml steht im Abschnitt services: der Bereich ports: – und eine Zeile darunter eine recht lange Variable. Solltest du eigene Ports vergeben wollen, dann ist dies hier zwingend einzutragen. Solltest du keine manuelle Änderung des Ports vornehmen wollen, erreichst du SearXNG auf Port 8080. Andernfalls muss eine Weiterleitung auf den internen Port 8080 von deinem Wunsch-Port aus erfolgen:
services:
core:
container_name: searxng-core
image: docker.io/searxng/searxng:${SEARXNG_VERSION:-latest}
restart: always
ports:
- "4444:8080" # Wenn du diesen unter 4444 in deinem Browser erreichen möchtest
Anschließend wenden wir uns noch der .env-Datei zu, der zwei wichtige Parameter fehlen:
# Die Basis-URL, unter der die Instanz erreichbar ist (z. B. http://localhost:8080)
BASE_URL=http://192.168.0.1:4444
# Wichtig hierbei, dass der Port sich mit dem aus der yml Datei deckt.
# Der geheime Schlüssel für die Instanz (erforderlich, unbedingt ändern!)
SEARXNG_SECRET=(hier deinen Schlüssel eintragen)
Woher bekommst du diesen Schlüssel?
python3 -c "import secrets; print(secrets.token_bytes(32).hex())"
Ausgabe kopieren und ohne die () direkt hinter dem = einfügen. Speichern, verlassen, fertig. Achtung: Die .env-Datei enthält sensible Schlüssel. Stelle sicher, dass sie nicht versehentlich in öffentliche Repositories gelangt.
Starte den Container nun mit:
docker compose up -d
Jetzt müsste der Container laufen und du hast einen schönen anonymen Metacrawler bei dir zu Hause lokal installiert. Du erreichst ihn unter der o. g. URL, also in diesem Fall http://192.168.0.1:4444.
Meldet sich hier der Metacrawler dann nicht, sind entweder die Ports falsch konfiguriert oder – im Falle einer Proxmox-VM – wurde diesem eventuell auch eine Firewall verpasst, systemweit über das Node möglicherweise. Dann müsste der Port in der entsprechenden VM natürlich noch freigeschaltet werden.
Fazit
Was haben wir eigentlich zu verbergen? Ich persönlich so erst einmal überhaupt nichts. Eventuell hat man auch einfach keine Lust, überall nachvollziehbar zu sein. Und sich von der immer weiter um sich greifenden weltweiten Überwachung so gut wie es nur irgendwie geht, heraus zu nehmen.
Ob nun mit lokaler Installation von Firefox oder Brave, der Nutzung des TOR-Browsers und dessen Relais-Netzwerk oder via SearXNG: Die Möglichkeiten, nicht überall Spuren zu hinterlassen, sind gegeben – die einen effektiver, die anderen ausgewogener zur Nutzbarkeit.
Zwar ist SearXNG schon das „schlimmste“, was dafür an Aufwand getrieben werden müsste bei einer Installation als Docker-Container. Aber der Aufwand ist im Vergleich zu anderen Containern vergleichsweise sehr gering. Das waren keine 15 Minuten bei mir, inklusive Recherche der korrekten Eintragungen.
Die Geschwindigkeit von SearXNG ist völlig in Ordnung meiner Meinung nach, die Ergebnisse sind neutral und gut sortiert. Ein Container, der sich auf Anhieb gelohnt hat für mich und ab jetzt für viele Zwecke in meine Nutzung eingebunden wird.
Thinkin ‚bout
Quellverweise
Die Fakten zu den aktuellen Entwicklungen bei der Bundeswehr, den Browser-Engines und den Datenschutzmechanismen basieren auf folgenden Quellen:
Google: „Transparency Report: User Data“ (Technische Grundlagen zu Datennutzung).
Link: https://transparencyreport.google.com/user-data/overview
Microsoft: „Windows 11 Endpunkt-Datenerfassung“ (Technische Dokumentation zu Telemetrie).
Link: https://learn.microsoft.com/de-de/windows/privacy/manage-windows-11-endpoint-data-collection
Brave Software: „Brave Fingerprinting Protection“ (Technische Erklärung).
Link: https://brave.com/privacy-fingerprinting
Heise Online: „Opera Browser: Datenschutz und Sicherheit im Check“ (Unabhängiger Test).
Link: https://www.heise.de/test/Opera-Browser-Privacy-und-Security-Check-999999.html (Hinweis: Falls dieser spezifische Link veraltet, nutze: https://www.heise.de/)
Vivaldi Technologies: „Vivaldi Privacy Policy“.
Link: https://vivaldi.com/privacy/
Samsung: „Samsung Internet – Datenschutz und Sicherheit“ (Deutsche Support-Seite).
Link: https://www.samsung.com/de/support/mobile-devices/samsung-internet-datenschutz-und-sicherheit/
Mozilla Foundation: „Firefox Datenschutz“.
Link: https://www.mozilla.org/de-de/privacy/
The Tor Project: „How Tor Works“.
Link: https://www.torproject.org/
Apple Support: „App Tracking Transparency“.
Link: https://support.apple.com/de-de/102752








