Heute werfen wir ein Blick auf das Betriebssystem Linux.
Zwar ist Linux technisch nur der Systemkern, aber im Sprachgebrauch bezeichnen wir damit das gesamte Betriebssystem — sei es für den Moment drum.
Aktuelle Entwicklungen: Der Ausstieg aus BigTech beginnt
Einleitend begleitet werden soll das Thema heute von den Entwicklungen und News der letzten Tage:
Frankreich: Verbot von Google Meet, Zoom und Teams
Zum einen war heute zu lesen, dass Frankreich bereits daran arbeitet, ein Verbot der Nutzung von Google Meet, Zoom und Teams in den Behörden umzusetzen.
Und auf eine eigenständige Lösung zu setzen.
Derlei Programme werden hauptsächlich für Videokonferenzen genutzt — und es sind die populärsten US-Dienste, die künftig ausgeschlossen sind.
Bezos: PCs zur Miete — der nächste Level der Abhängigkeit
Zum anderen schwärmte Jeff Bezos in der letzten Woche davon, künftig weltweit PCs zur Miete anzubieten.
Was erst einmal toll klingt — auf den zweiten Blick aber den nächsten Level der Abhängigkeit mit sich bringt:
Vermutlich dann mit hauseigener Software bespielt — und daher jederzeit abzuklemmen bei unliebsamen Nutzern.
Alle anderen dürfen fleißig monatlich zahlen — während:
- Weder an Hard- noch an Software ein Besitz besteht
- Die Daten allesamt in US-Clouds lagern
- Der Nutzer zu 100 % transparent ist
Das Muster: Abhängigkeit als Geschäftsmodell
Beide Themen sind einmal mehr rund um die Abhängigkeit von US-Tech-Giganten angesiedelt.
Sie zeigen zum einen die ersten Versuche des Ausstiegs — und zum anderen das, was ich in den letzten Beiträgen immer schärfer angemahnt hatte:
Die Stück für Stück weiter vorangetriebene Abhängigkeit.
Hier kommt tatsächlich Linux ins Spiel: Ein quelloffenes System mit weitestgehend unabhängiger Weiterentwicklung — sowie ohne kommerzielle Interessen.
Man spricht hier von Open Source, lizensiert unter der GPL (General Public License).
Linux seit 1993: Von Nerds zu allen
Ich selbst nutze Linux nun seit 1993 — damals eine ganze Spur aufwendiger und eher was für Nerds.
Heute ist es zugänglicher für alle, die es einfach „machen“ wollen.
Die Hardware in den letzten Jahren wird — sofern diese nicht hammer-exotisch ist — ohne Aufwand erkannt.
Die Allgegenwärtigkeit von Linux
So ziemlich jeder Webserver läuft mit Linux.
Alle Supercomputer der Ränge 1–500 weltweit laufen mit Linux.
Dein Android-Phone hat als Unterbau ebenfalls Linux.
Mancher Pfand-Rücknahme-Automat ist damit ebenfalls betrieben — sowie allerlei Kleingerät, wo man dies so nicht vermutet.
Installation und Bedienung: Ähnlich wie Windows
Die Installation erfolgt in etwa so wie auch bei Windows-Systemen.
Die Umgebung auf dem Desktop kann aussehen fast wie man möchte — oder eben auch Windows beinahe vollständig imitieren.
Nur ist es eben nicht an die Lizenzpolitik von Unternehmen — und die damit verbundene „zu alte“ Hardware — gebunden.
Die Herausforderungen: Wo es schwierig wird
Sofern ernsthafte Probleme mit dem System Linux auftreten, wird der Laie wohlgemerkt fest stecken — bei Windows allerdings auch.
Die MS Office-Alternativen wie OpenOffice oder auch LibreOffice funktionieren tadellos.
Photoshop heißt nun Gimp — und lässt sich sehr ähnlich bedienen.
Für gewohnte Windows-Programme, die so gar keine Linux-Alternative bieten, kann man mit einfachen Tools eine Umgebung wie Windows simulieren — auch wenn nicht für alle.
Aber: Die Grenzen bei Gaming und großen Firmen
Und da sind wir auch schon beim „Aber“:
Während der Umstieg privat und in kleinen Firmen wie der meinen gut funktionieren dürfte — wird ein solches Unterfangen mit zunehmender Größe immer komplexer.
Zu stark verwoben ist das Excel-Geflecht — zu gewohnt ist doch die Benutzerverwaltung in Windows-Umgebungen mit Active Directory.
Und zu Hause läuft garantiert das eine oder andere Spiel nicht mehr — oder es zucken nur Standbilder über den Schirm.
Die Kommandozeile: Manchmal unvermeidlich
Und das eine oder andere ist eben nicht zum Anklicken, sondern erfordert auch hier und da einen schnöden Text-Editor in Schwarz-Weiß.
Das wäre freilich das Outfit, mit dem die Server-Distributionen sowieso ausschließlich unterwegs sind — die schleppen den Ballast einer grafischen Oberfläche nicht mit sich herum.
Für die Desktop-Distributionen gibt es hingegen eine große Auswahl an grafischen Oberflächen.
Was ist eine Distribution?
Aber was ist überhaupt eine Distribution?
Wie oben geschrieben, ist Linux grundsätzlich nur der Systemkern — und darauf wird das eigentliche Betriebssystem montiert: die Distribution.
Diese enthalten dann:
- Vordefinierte Softwarepakete (z. B. Office-Programme, grafische Oberflächen)
- Oder all dies nicht — dafür mehr Server-Werkzeuge
- Oder sind so minimalistisch wie es nur geht
- Oder andere spezialisierte Kombinationen
Es gibt mittlerweile mehr als 200 Linux-Distributionen — davon sind aber für normale Menschen nur ein halbes Dutzend interessant. Ohne die Nutzer der anderen Distributionen nun per se als „unnormal“ bezeichnen zu wollen 😉
Der Rest ist spezialisiert oder wird mittlerweile nicht mehr weiter entwickelt.
Anfänger-freundliche Distributionen
Zum Einstieg sind zu nennen:
- Ubuntu — sehr große Community, ausgezeichnet dokumentiert
- Kubuntu — ähnlich wie Ubuntu, aber mit anderer grafischer Oberfläche
- Mint — auch anfängerfreundlich
Bei Fedora wird es schon schwieriger.
RedHat und SuSE sind überwiegend kommerziell ausgelegt (ja, es gibt auch diese!).
Ubuntu ist durch eine sehr große Community äußerst gut dokumentiert — wenn auch „nur“ online.
Sicherheit: Ein Mythos und eine Realität
Die Annahme davon, dass Linux von Haus aus kugelsicher ist gegen Einbrüche oder Viren, gehört ins Reich der Legenden.
Es ist nur so sicher, wie die Sicherheit, die der Nutzer dem System verpasst.
Allerdings gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die im Gegensatz zu Windows bereits als Standard in Linux-Systemen getroffen wurden.
Warum Linux weniger angegriffen wird
Zum anderen wird Schadsoftware in der Regel so geschrieben, dass damit möglichst viele Ziele getroffen werden können.
Und da ist Windows mit seiner Verbreitung natürlich an allererster Stelle.
Zumal die gutgläubigen Benutzer eher zur Windows-Fraktion zählen — ein durchschnittlicher Linux-Nutzer geht erfahrungsgemäß kritischer in seinem System umher.
Praktische Erfahrung: Meine Firma
Der Fileserver bei mir in der Firma war zum Beispiel nie auf Windows-Basis.
Dieser wurde von Anfang an auf Linux aufgebaut.
Obwohl ich eine Windows Server 2019-Software-Version herum liegen habe — diese war mir jedoch so zu kompliziert, dass sie nur auf einem Testsystem überhaupt mal zum Einsatz kam.
Im Laufe des letzten Jahres sind alle produktiven Systeme hier auf Linux umgestellt worden — nur ein aktuellerer PC läuft noch mit Windows, falls mal Zeit und Lust zum Spielen sein sollte.
Der alte Laptop: Kubuntu statt Windows
Auf dem Firmen-Laptop, ein in die Jahre gekommener Intel Celeron, läuft ebenfalls eine Kubuntu-Variante.
Und dies erheblich schneller und stabiler als die dort vorher sitzende Windows-Installation.
Das eigentliche Ziel: Unabhängigkeit und Sparsamkeit
Auch hier geht es schlichtweg um den möglichst zügigen Abbau von Abhängigkeiten gegenüber BigTech/USA.
Und natürlich auch:
- Dem Sparen von Lizenzkosten
- Dem Ausweichen von Anforderungs-Diktat
Linux benötigt in der Regel keine aktuelle Hardware.
Es ist ein genügsames System.
Ein Angebot für dich
Evtl. schwirrt ja bei dem einen oder anderen ein alter PC/Laptop herum — für die ersten Gehversuche mit dieser Art System.
Um mehr und mehr auf eigenständige Füße in der digitalen Welt zu kommen.









