In den letzten Wochen machen es einem die USA — um die es sich in der Mittwochs-Mahnung letztlich dreht — auch nicht so ganz einfach beim Einhalten der ursprünglich geplanten Reihenfolge.
Ein Staatspräsident entführt, eine drohende Invasion eines anderen NATO-Landes, kurz vor der erneuten Bombardierung des Iran, willkürlich erschossene Personen im eigenen Land — und ein sich selbst feiernder Präsident.
Da komme ich nun direkt zu dem eigentlich ziemlich zum Schluss geplanten Thema.
Die Geschichte: Wie das Internet verschenkt wurde
Erst einmal müssen wir feststellen, dass das Internet in den USA erfunden wurde — in der Amtszeit von Bill Clinton.
Und dieser hat es denn quasi gebilligt, dass es de facto der Welt geschenkt wurde.
Vermutlich hatte er auch brennendere Themen als diese — von seinem Namensfetter Gates als „Datenautobahn“ bezeichnete Technik.
Die frühen Vorläufer wie das FidoNet etc. waren damit über Nacht veraltet.
Die möglichen Potenziale wurden politisch nicht verstanden in den 90ern. Das ist heute anders.
Diese Erfindung wird von so gut wie jedem Menschen mit PC, Smartphone etc. genutzt.
Die wirtschaftliche Notwendigkeit: Defizite und Schulden
Zum anderen muss festgehalten werden, dass die Außenhandelsbilanz und die Staatsschulden der USA schon seit Jahrzehnten eine Katastrophe sind.
Heute würde man diese als verheerend bezeichnen müssen.
Anfang des neuen Jahrtausends wurde der USA bereits durch dieses Defizit ein recht baldiger Untergang prophezeit.
Die Annexion bzw. temporäre Übernahme von Territorien (auch digitalen!) gilt allgemein als ein Ausweg — wenn auch nur ein vermeintlicher.
Clouds als Strategie: Benutzerbindung durch Abos
Nun ist dies mit dem Angebot von Clouds — so weit das Auge reicht und tatsächlich für jeden Scheiss — bereits einen ganzen Schritt weiter gediehen als noch vor 20 Jahren.
Einmalig gekaufte Software schafft zwar Vorlieben — und dann eventuell einen erneuten Kauf der Folgeversion — aber das Potential zum Umstieg ist vorhanden.
Echte Benutzerbindung schaffe ich mir nur über Abos — das Nikotin der Software.
Dies noch mit eigenen Clouds zu verbinden — ist das Gesellenstück der Industrie.
(All das hatten wir auch in den vorigen Themen bereits abgehandelt.)
Die Bedingungen für BigTech: Freiheit und Regulierungslosigkeit
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Freiheit in den USA, so ziemlich regulierungsfrei wachsen zu können.
Hängt natürlich auch vom jeweiligen Präsidenten ab — aber aktuell ist da keine Regulierung zu erwarten.
Nur so konnte das Silicon Valley überhaupt so groß und mächtig werden:
- Fachkräfte en Masse
- Keine Regulierungen
- Risikokapital an jeder Ecke erhältlich
Das sind die Eckpfeiler für schnelle Innovationen.
BigTech: Die neue US-Oligarchie
Nun ist mit „Big Tech“ — wie man Konzerne um Google, Tesla, Facebook und Microsoft etc. nennt — übermäßig mächtig geworden.
Ein wenig wie Rockefeller — nur ohne Öl, dafür mit astronomischen Datenbergen auf Halde.
Und deren CEOs sind vor allem eins: auf noch mehr Profit. Das kann man per se erstmal auch keinem CEO vorwerfen — im Gegenteil, das ist sein Job.
Der Unterschied zu Russland: Oligarchen ohne Konsequenzen
Schwieriger wird es dann, wenn diese freie Hand vom Staat bekommen — zum Milliarden schaufeln.
Fast wie die Oligarchen in Russland — nur mit einem Unterschied:
Mischt sich in Russland ein Oligarch in die Politik ein — oder läuft nicht konform mit der Kreml-Doktrin — so gibt’s Tee oder n kurzen Sitzplatz am Fenster inkl. Freiflug. Im besten Fall nur die Enteignung und 24 Jahre Sibirien.
Die neue US-Oligarchie rund um Musk, Zuckerberg oder Bezos ist davon nicht betroffen.
Im Gegenteil: Die Nähe zur Politik und die milliardenschwere Einmischung zur Lenkung der politischen Agenda ist durchaus gewollt.
Extraterritoriale Durchsetzung: Der politische Generalschlüssel
Letztlich lassen sich so die Ansinnen von BigTech durch extraterritoriale Durchsetzung der US-Führung erreichen:
Die Zollklatsche wird jedes Mal wieder drohen, wenn es z. B. die EU wagt:
- Strafen nach dem hier geltenden Recht zu verhängen
- Neue Regulierungen die Pläne von BigTech zu konterkarieren
Die extraterritoriale Durchsetzung von US-Recht ist freilich nicht neu — und schon seit Jahrzehnten im Warenhandel Gang und Gebe. Nur spricht da kaum einer drüber.
Erpressung durch Sanktionen: Das Beispiel TikTok
So unterliegen auch europäische Cloud-Dienstanbieter durchaus der extraterritorialen Durchsetzung von Amerikas Forderungen:
Es ist breit diskutiert worden, dass der Anbieter eines ERP-Systems mit europäischen Wurzeln nur einen eingeschränkten Datenschutz gewährleisten kann — da die amerikanische Justiz diesen zur Herausgabe von sämtlichen Daten zwingen kann.
Also selbst wenn die USA hier per se gar keinen Zugriff hätten — kann ein Anbieter durch Androhung von Sanktionen z. B. dazu erpresst werden, Daten herauszugeben.
Noch einfacher ist es natürlich, wenn ein solcher Anbieter ebenfalls Kunden in den USA hat:
„Willst du weiter Geschäfte machen hier…?“
Siehe die feindliche Übernahme von TikToks US-Geschäft, welches unter dem Tarnnamen „Nationale Sicherheit“ dem Mutterkonzern ByteDance abgepresst wurde.
Mit dieser Argumentation lässt sich prinzipiell jedes Software, jeder Dienst, jede Firma und jedes Land ins Visier nehmen.
Diese Argumentation ist der politische Generalschlüssel.
Sie wird als ausweglos und ohne Alternativen als höchstes Gut gehalten.
Die technischen Kontrollmechanismen: IP-Adressen und Domains
Mit diesem ganzen Input kommen wir nun endlich dazu, wo überhaupt die Gefahr liegt — oder liegen soll — für das an sich ja freie und dezentral organisierte Internet:
IP-Adressen: Die zentrale Kontrolle
Alle Geräte, die irgendwie am Internet teilnehmen, benötigen eine IP-Adresse.
Sei es ein Server oder schlichtweg eine SmartHome-Glühbirne.
IP-Adressen werden jedoch zentral bereitgestellt: durch die IANA.
Zwar ist die IANA in 2016 rechtlich zur Nonprofit-Organisation ICANN übergegangen — aber in den USA ansässig.
Auf die Organisation kann zwar kein direkter Einfluss ausgeübt werden — sie unterliegt aber US-Recht und ist somit sehr wohl an verhängte Sanktionen gebunden.
Zum Beispiel die im Exportkontrollrecht gefürchtete OFAC-Liste.
Domains: Keine echte Autonomie
Jedes Land hat seine spezielle Punkt-irgendwas-Domain — .de bei uns.
Zwar sind Registrare wie die DENIC in Deutschland ansässig — das sichert aber noch lange nicht die Autonomie gegenüber den USA.
Gleiches gilt für z. B. Europa oder Kanada — da die USA ihre Anstrengungen auch vor Trump schon extraterritorial durchzusetzen wussten.
(Wie oben erwähnt.)
Spezielle Domains wie .org oder .net zum Beispiel sind auch oft direkt über US-Dienste wie GoDaddy abonniert — was sie de facto unter direkte US-Kontrolle stellt.
Dazu kommen: Protokolle und Patente
Dies beides sind die elementaren Dinge, die man im Internet verwendet.
Dazu kommen unzählige Verfahren und Protokolle, die überwiegend aus den USA stammen — und dort teils patentiert sind.
Die Strategie: Ein Quasi-Monopol aufbauen
Mit dem immer weiter in die einzelnen Internet-Teilnehmer hineinwachsenden Dienste sichert sich die USA mehr und mehr ein quasi-Monopol.
Den eingangs erwähnten Fehler unter Clinton — dass das Internet einfach verschenkt wurde — versucht die USA seit längerem zu korrigieren.
Mit Amazon Linux ist nun ein erstes Betriebssystem in die Cloud gewandert — und für AWS zwingend erforderlich.
Das Endgame: Hardware zur Miete, volle Abhängigkeit
Der nächste Schritt dürfte sein, dass die Hardware als solches direkt an US-Dienste gebunden und ausgeliefert wird:
- Android-Handys
- Chromebooks
…sind nur die ersten sehr zärtlichen Tests hierzu.
Neben den unglaublich ertragsreichen Clouds und Abos — dann das dritte Standbein.
Diese drei werden in der Folge absolut miteinander verschmolzen:
Hardware zur Miete, mit entmündigten Benutzern, die de facto an nichts mehr ein Eigentum haben — sondern in voller Abhängigkeit und Gnaden von BigTech — und damit der USA — zu stehen.
Während durch den massiv rollenden Rubel die Nutzer geschröpft werden — Amerika sein Außenhandelsdefizit in den Griff bekommt — und die absolute Datenhoheit inne hat.
Zusätzlich macht diese den Benutzer zu 100 % transparent: Jeden, überall, immer.
Support-Ende: Windows 10 als Vorbote
Geräte werden eine kurze Halbwertszeit von wenigen Jahren haben — und dann schlichtweg nicht mehr unterstützt werden.
Microsoft hat diesen Weg nun erstmalig mit Windows 10 eingeschlagen.
Für Server war ein Support-Ende Gang und Gebe — jetzt ist dies erstmalig in den Wohnzimmern angekommen.
Google: Die Datensammlung und ihre Folgen
Google sammelt seit Bestehen international Daten über die Nutzer — und verknüpft diese sehr zuverlässig zu Profilen.
Daraus lassen sich zum Beispiel:
- Sexuelle Präferenzen
- Politische Einstellungen
- Verhalten der Nutzer
…klar abbilden und vorhersagen.
Das macht diese gigantische Datensammlung zu einer hoch interessanten Quelle für Werbung — und Google reich.
Aber eben nicht nur für Werbung.
Regulierung: Zu spät, zu wenig
Mittlerweile ist Google reglementiert — insbesondere in der EU — was aber nur die gegenwärtige Datenerhebung einschränkt.
Die Vergangenheit ist aber längst gut gesichert.
Zum anderen sind mittlerweile andere, nicht reglementierte Methoden der Datenerhebung und -Speicherung längst gängig.
Das eigentliche Ziel: Vollständige Kontrolle
Letztlich geht es um die vollständige Kontrolle über das Medium Internet — und den Profiten, die sich damit erzielen lassen.
Wer sich in den Weg stellt, der dürfte in der Zukunft einfach abzuklemmen sein — sowohl von der Hardware als auch von seinen Daten.









