Ich möchte mich weiter mit der digitalen Unabhängigkeit befassen — und möchte heute einmal auf einen weiteren Teil des Meta-Konzerns eingehen.
Die Hütte von Mark Zuckerberg umfasst bekanntermaßen neben Facebook noch Instagram und WhatsApp.
Die beiden letzten sind zugekauft — was aber an sich unwesentlich ist.
Das Problem: WhatsApp und US-Kontrolle
Facebook bekommt noch einen eigenen Beitrag.
Heute soll es einmal um den Messenger WhatsApp gehen.
Zwar unterliegt dieser auch mittlerweile eines mehr oder weniger ernsthaften Datenschutz-Ansinnen der EU — ein Digital-irgendwas-Act.
Dies bringt jedoch kein Verbot mit sich, die Daten in den USA zu beherbergen.
Ehrlich gesagt ginge das auch zu sehr in den Bereich der unternehmerischen Freiheit hinein — auch wenn die USA selbst ähnliche Vorgaben an Dienstleister machen, die dort anbieten möchten.
Das will ich jetzt auch politisch gar nicht weiter thematisieren.
Die Alternativen zu WhatsApp sind hier mein Thema.
Das Risiko: Deine Kontakte sind bekannt
Reine SMS befriedigen keine modernen Ansprüche — und dieses Format kennt auch überhaupt keinen Datenschutz.
WhatsApp hingegen bietet mittlerweile auch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an.
Allerdings in voller Zugriffsmöglichkeit der US-Behörden.
Natürlich denken sich die meisten Nutzer hier nichts dabei.
ABER: Eure Kontakte sind ebenfalls vollumfänglich bekannt.
Gerät nun einer dieser Kontakte — warum auch immer und egal ob zu Recht oder eben nicht — in den Fokus von US-Diensten, so steht eben euer Name direkt nebenan — und dürfte ebenfalls durchleuchtet werden.
Die viel genannte „Nationale Sicherheit“ der USA lässt sich in eine lange gelebte und immer ausgeprägtere Paranoia münzen.
Die Alternativen: Ein Überblick
Doch welche Alternativen gibt es zu WhatsApp?
Threema: Der Schweizer Weg
Threema ist zu nennen.
Hier werden nicht einmal die Telefonnummern ausgetauscht — sondern über ein quasi Hash wie „DT4KX“ z. B. wäre jemand erreichbar.
Die Server von Threema stehen ausschließlich in der Schweiz — und der Datenschutz dort ist ziemlich streng.
Auch wenn kein EU-Recht — also so gesehen immer noch ein Drittland.
Threema war der erste Messenger, der wirklich Ende-zu-Ende verschlüsselte.
Zu der Zeit bot WhatsApp dies noch nicht an.
Threema kostet einmalig einen kleinen Betrag im jeweiligen AppStore.
Der Quellcode ist offen zugänglich.
Vorteile:
- Serverstandort Schweiz
- Keine Telefonnummern erforderlich
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Open Source
- Starker Datenschutz
Nachteile:
- Kostenpflichtig (einmalige Gebühr)
- Geringere Marktdurchdringung
Telegram: Der Kompromiss
Ein anderer Vertreter ist Telegram.
Dieser Dienst hat seine Server in Asien, Europa und den USA.
Europäische Nutzer sollen dabei von den Servern in Amsterdam bedient werden.
Telegram ist zwar kostenlos — allerdings bieten nur so genannte „geheime“ Chats eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an.
Normale Chats und Gruppenchats sind nur End-zu-Server verschlüsselt — und somit für Telegram lesbar.
Telegram steht etwas in Verruf, weil in den Gruppen öfter mal strafrechtlich relevante Inhalte getauscht werden.
Der Quellcode liegt nicht vollständig offen.
Vorteile:
- Kostenlos
- Große Marktdurchdringung
- Serverstandorte in Europa
- Benutzerfreundlich
Nachteile:
- Normale Chats nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt
- Quellcode nicht vollständig offen
- Verruf durch illegale Inhalte
- Nur „geheime“ Chats sind wirklich verschlüsselt
Viber: Der japanische Weg
Viber ist ein anderer Dienst.
Die Server stehen zwar in Luxemburg — allerdings gehört Viber zum japanischen „Rakuten“-Konzern mit Sitz in Tokio.
Viber ist kostenlos und hat Ende-zu-Ende-Verschlüsselung — zeigt unsichere Chats als „rot“ an.
Der Quellcode hier nicht offen einsehbar — und Viber sammelt Daten für Werbezwecke.
Vorteile:
- Kostenlos
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Serverstandort Luxemburg (EU)
- Visuelle Warnung bei unsicheren Chats
Nachteile:
- Quellcode nicht offen
- Datensammlung für Werbung
- Japanischer Konzern dahinter
- Geringere Marktdurchdringung
Open Source: Ein separates Thema
Was es mit offenem Quellcode auf sich hat — dazu wird es ebenfalls noch einen gesonderten Beitrag geben.
Ein offener Quellcode hat jetzt aber auch nichts mit der Reduzierung von US-Abhängigkeit zu tun 🙂
Das Kernproblem: Keine DSGVO-Schutzung
All diese Alternativen — und es gibt weitere — sind also ohne Berührung von US-Boden in Betrieb.
Inwieweit die Anbieter nach dem US-irgendwas-Act allerdings zur Offenlegung sämtlicher Daten verpflichtet sind — also auch mit Standorten außerhalb der US-Gebiete — lässt sich zumindest erahnen.
Alle Dienste haben eines gemeinsam:
Die Hoheit über deine Daten hast du nicht — und kein einziger Server steht in Deutschland.
Also unter die DSGVO fällt hier: Nichts 🤔
Ginlo: Die deutsche Lösung
Hier kommt nun „ginlo“ ins Spiel:
Hier wird alles in Deutschland gehostet, für Privatanwender ist dies auch noch kostenlos.
Und die dazugehörige App gibt’s im Store. Zu unterscheiden ist hier die App ginlo und ginlo2 – letztere ist auf aktuelleren Handys die richtige Wahl, die ginlo App ohne die „2“ dahinter ist für ältere Handys gangbar. Einfach ausprobieren.
Open Source ist das jedoch nicht; das für Privatanwender kostenlose Modell wird über die Buisness Modelle mit finanziert.
Die Funktionsfülle kommt nicht an WhatsApp heran, aber die wichtigsten Funktionen sind vorhanden.
Nachdem du hier einen Benutzer angelegt hast, kannst du weitere Geräte hinzufügen und so zum Beispiel auch Linux, Mac oder Windows Rechner damit ausrüsten. Die jeweiligen App Pakete findest du bei ginlo auf der Webseite.
Snikket: Selbst-Hosting (für Fortgeschrittene)
Alternativ wird das Ding selbst gehostet in einer Linux/Docker-Umgebung.
Was freilich aufwändig ist — eine gewisse Expertise voraussetzt — und dazu noch eine 24h-Erreichbarkeit von außen benötigt.
Dies ist bei den meisten DSL-Anschlüssen schon rein technisch nicht möglich — da diese als Stack arbeiten und als „DSL lite“ von außen schlicht nicht erreichbar sind.
Ferner sollte man ohne fundierte Kenntnisse im Umgang mit Firewalls, Routing und NAT auch dringend die Finger davon lassen.
Wer sich dies dennoch zutraut — der sollte einen Blick riskieren auf Snikket.
Die Realität: Alle Alternativen haben Nachteile
Natürlich sind alle Alternativen aufwendiger — und haben eben nicht diese Markt-Durchdringung wie WhatsApp.
Nur sind eben die genannten schon der Weg weg von US-kontrollierten Diensten.
Welcher Messenger passt zu dir?
Welcher, sei dahingestellt — nur sollte auch hier ein ernstes Abwägen aller Umstände zumindest einmal geraten sein.
Immer im Blick behalten: US-Kontrolle dürfte zunehmen
Immer vor Augen halten sollte man sich dabei, dass ein vollständiges Abklemmen von US-Diensten auch von dort ausgehen könnte — wenn auch unwahrscheinlich.
Zumal die angestrebte Weltherrschaft auch digital zu verstehen ist.
Verschwörungstheorien? Mitnichten.









