Wir haben alle ein Handy. Entweder eins aus dem Hause Apple oder eins, welches mit Android betrieben wird. So zumindest die breite Masse. Android ist nun einmal Google, also Alphabet-Konzern, um es genau zu nehmen.
Wie zu Windows der Edge-Browser vom gleichen Hersteller (früher Internet Explorer) kostenlos mitgeliefert wird, so liefert uns Google eine Fülle von Apps mit, die als Standard auf Android-Handys installiert sind.
Das Geschäftsmodell hinter der „Praktikabilität“
Dies ist ungemein praktisch — und so machen wir uns auch in der Regel keine Gedanken darüber, wie auskunftsfreudig derlei Apps sind und welche unserer Daten fröhlich in Amerika gelagert und verwahrt werden — einem Land, welches es mit Datenschutz nicht allzu genau nimmt.
Darauf, dass wir diese vorinstallierten Apps eben auch als ungemein praktisch empfinden und direkt nutzen, basiert das Geschäftsmodell von Google.
Oder wer hat sich, ganz ehrlich gesagt, die Vereinbarung mit Google mal komplett durchgelesen und diese kritisch hinterfragt?
So findet sich auf einem frischen Android-Handy irgendwo ein Ordner mit den Google-Apps. Diese nutzen wir in den meisten Fällen bedenkenlos:
- GMail – das Email-Programm
- Chrome – der Browser
- Kalender – dürfte klar sein
- Messages – SMS & MMS
Diese vier sind schon einmal jene, denen wir die meisten persönlichen Daten anvertrauen: Kommunikation, Termine und unsere Interessen im Internet. Und all diese Apps schreiben fleißig mit — auch wenn uns die Konformität zum Datenschutz geboten scheint.
Das ist aber schon dann ganz einfach nicht mehr gegeben, wenn die Daten auf US-Servern landen — was hier zu 100 % der Fall ist.
Der Mythos des Datenschutzes
Verabschieden wir uns von den Gedanken, dass man Cookies ablehnt und alles ist in Butter. Das neuere Verfahren nennt sich Fingerprinting — und bietet das Gleiche, nur in Grün.
Vergessen wir die Mär, dass es für SMS-Erweiterungen gibt, die den Datenschutz erhöhen. Das SMS-Protokoll kennt keinen Datenschutz — das ist nicht einmal vorgesehen.
Verschlüsseln kann man nur eine Kommunikation, wenn das Gegenüber diesen Schlüssel versteht — also die gleiche App installiert ist auf beiden Geräten.
Warum kann man wohl bei reinen Kurznachrichten mit der Google-App sehen, dass der Gesprächspartner gerade tippt? Korrekt: weil die Erweiterung dazu führt, dass die Geräte (Handys) dies erkennen und dem Google-Server mitteilen. Dieser blendet es wiederum auf dem Gerät des Gegenübers ein. Also wieder Daten in die USA geteilt.
Oder warum sehen wir das Google-Profilbild des Gegenübers in einem eigentlich reinen Textaustausch von 160 Zeichen je SMS? Schon mal drüber nachgedacht? 😊
Chrome: Die Datenschutz-Katastrophe
Der Browser Chrome ist per se eine Datenschutz-Katastrophe erster Güte — die Grundeinstellungen sind natürlich pro Google und müssten erst verändert werden, was die wenigsten tun.
Die Email-App ist meistens direkt an das Google-Konto gekoppelt — also eine .gmail-Adresse. Auch hier fließen fleißig Daten über US-Server.
Nach europäischem Recht gilt die USA übrigens datenschutzrechtlich als „unsicheres Drittland“.
Was tun, wenn es einem nicht egal ist?
Es mag viele unter uns geben, denen das alles egal ist und die ihre Daten einfach offenlegen. Aber es gibt auch die, denen das nicht egal ist — und hier kann durchaus eingegriffen werden:
Das Problem beim Datenschutz sind nicht nur die Datensammler selbst, sondern die, die eben jene Daten nur allzu leichtsinnig bereitstellen.
Was also kann konkret getan werden?
Es gibt, nicht nur im Google App Store, viele Alternative Apps:
- Browser → zum Beispiel Brave
- Email → zum Beispiel K-9
- Kalender → über eine deutsche Cloud hosten mit Apps, die das DavX5-Protokoll unterstützen
- SMS → einfache App, die einfach nur das SMS-Protokoll nutzt
E-Mail-Adresse: Warum ist sie kostenlos?
Email-Adressen von Outlook, GMX, Gmail und Web.de (und wie sie alle heißen) sind kostenlos — kein Unternehmen hat etwas zu verschenken. Im Gegenzug willigen wir in den regen Adresshandel ein.
Eine Email-Adresse, die in einem recht gut geschützten Rahmen eingebettet ist, darf auch mal 12 Euro im Jahr kosten.
Anbieter mit deutschen Servern gibt es viele — zum Beispiel posteo.de, welches gleich den Kalender mit anbietet.
Grundsatz: Serverstandort = Datenschutz
Grundsätzlich sollte man bei den in Anspruch genommenen Diensten immer drauf achten, dass der Serverstandort Deutschland oder die EU ist. Hier gelten andere Vorschriften zum Datenschutz.
Natürlich macht es das Setup etwas aufwendiger — nicht technisch kompliziert.
Ich habe mich mittlerweile von allen Google-Diensten abgeklemmt und nutze für Emails, Kalender und mein digitales Notizbuch schon länger meinen eigenen Nextcloud-Server — und der steht in München.
Dieser ist freilich auch nicht sicher vor jeder Art Einbruch — aber auf dem Silbertablett muss man seine Daten nun auch nicht liefern.
Thinkin ‘bout
Weiter am nächsten Mittwoch — und danke für Eure Aufmerksamkeit.
PS: Apple ist auch nicht besser 🙂









